Stolpersteine – Bernhard Stern & Elsa Stern

Bernhard & Elsa Stern

Übersicht:
Bernhard Stern
Geboren: 22. Januar 1900
Deportiert: 03. Dezember 1941
Gestorben vermutlich 1941 in Riga (41 Jahre)
Elsa Stern (geb. Winkel).
Geboren: 1911
Deportiert: 1943
Gestorben 1943 in Auschwitz (32 Jahre)
Die beiden Heirateten im Jahre 1935

Bernhard Stern war eigentlich der Sohn, den sich jeder wünschen würde.
Er war ehrgeizig und besuchte erst die höhere Schule in Winsen und später die Handelsschule in Harburg.
Mit dem Ziel, das Geschäft seines Vaters Levi Stern weiter zu führen, absolvierte er nach der Schule eine dreijährige kaufmännische Lehre. Er steckte viel Geld in das Geschäft, er ließ es großzügig renovieren, vergrößerte die Schaufensterfront und beleuchtete es mit Neonlicht.
Sein Geschäft „Jud Stern“ genannt (Anlehnung an seinen Nachnamen Stern und daran, dass die Familie jüdisch war) für Textilien und Schuhe war bei den Winsenern beliebt.

Restauriertes Foto vom Geschäft L. Stern Schuhwaren

Die Kleidung im „Jud Stern“ war preiswert und von guter Qualität.
Neben Kleidung für Konfirmation und besondere Anlässe verkaufte er dort auch
Kleidung für Hitlerjungen und die Uniformen für andere Organisationen der NSDAP.

Bernhard Stern war aber anscheinend nicht nur fleißig und arbeitete viel, sondern schien auch ein freundlicher, großzügiger und zuvorkommender Mensch gewesen zu sein.
Er war ein allseits geachteter Mann und stand mit vielen Mitbürgern in freundschaftlichem
Kontakt.
Auch für Ratenzahlungen in seinem Geschäft war er offen, wenn jemand nicht genug Geld hatte.
Über seine Frau Elsa Stern ist nicht viel bekannt.
Sie scheinen ein glückliches Paar gewesen zu sein, die gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen sind.

Durch Bernhard Sterns guten Ruf und seine freundliche Art ließ sich seine Kundschaft von der Parole „Kauft nicht bei Juden“ kaum beeinflussen.
Als am 01.04.1933 zum Boykott aufgerufen wurde und SA-Posten Kunden fotografieren sollten, ließ
Bernhard Stern die Leute den Weg durch den Garten und den Hintereingang benutzen.
Er fühlte sich wohl und zugehörig in Winsen und heiratete seine Frau Elsa Stein im Jahr 1935.
Von diesem Gefühl ließ er sich auch nicht durch seine Schwester abbringen.
Sie war bereits nach Brasilien ausgewandert und redete eindringlich auf ihn ein, er solle Winsen ebenfalls verlassen.

Nach den Novemberpogromen in der Nacht vom 8. zum 9. November 1938 war dieses sichere Gefühl dann auch Geschichte, denn sein Geschäft wurde schwer demoliert.
Kurz danach muss er den Entschluss gefasst haben, auszuwandern.
Noch im November schloss er sein Geschäft, verkaufte es für ca. ein Drittel des tatsächlichen Wertes und wollte auch sein Haus verkaufen, doch der Verkaufsvertrag wurde von den Behörden nicht genehmigt und damit seine Flucht verhindert.
Kurz danach wurde Bernhard Stern zu Zwangsarbeit in Lüneburg verpflichtet.

Seine Frau Elsa Stern, Tochter eines jüdischen und eines nicht jüdischen Elternteils sollte als sogenannte „Halbjüdin“ eigentlich vorerst nicht verhaftet werden, ist aber bei ihrem Mann geblieben.
Sie wollte ihn nicht alleine lassen und blieb mit der Begründung, sie habe mit ihm gute Zeiten erlebt und wolle sich in schlechten nicht von ihm trennen.
Bernhard wurde am 03. Dezember 1941
deportiert, Elsa im Jahr 1943, beide wurden zu einer Sammelstelle nach Hamburg gefahren.
Von dort aus sollten sie nach Riga und Auschwitz gebracht werden.
Hier verliert sich ihre Spur.
Es ist anzunehmen, dass sie, wie die meisten anderen auch, in Massengräbern erschossen wurden.

Bernhard Stern wurde 41 und Elsa Stern 32 Jahre alt.
Die beiden wohnten in der Bahnhofstraße 36
(damals Adolf-Hitler-Straße 28).
Sie waren ein ganz normales Ehepaar.
Offensichtlich beliebt und anerkannt bei den Winsenern.
Bernhard Stern hat sich sogar so sicher, wohl und aufgenommen gefühlt, dass er nicht flüchten wollte.
Die beiden hätten eine glückliche, lange Ehe und ein schönes Leben führen können, aber es wurde ihnen durch grundlosen Hass und Hetze genommen und das nur, weil sie Juden waren.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen!
In Gedenken an Bernhard Stern und Elsa Stern. ✡️