Liebe Genossinnen und Genossen, wir stehen heute hier zusammen, weil uns die bittere Realität bekannt ist: Der Faschismus erhebt wieder sein hässliches Haupt, und die Menschen, die am meisten darunter leiden, sind die, die ohnehin am Rand unserer Gesellschaft stehen – die queeren Menschen, unsere LGBTQIA*-
Geschwister. Während die Herrschenden ihre Macht zementieren und den Boden für eine autoritäre Zukunft bereiten, sind es die marginalisierten Gemeinschaften, die als erste ins Visier geraten.
Queere Menschen wurden schon immer als
Bedrohung für die patriarchalischen, heteronormativen Strukturen dieser Gesellschaft gesehen. In Zeiten des Faschismus wird diese Bedrohung ins Absurde gesteigert. Die Existenz queerer Menschen wird pathologisiert, kriminalisiert und dämonisiert. Sie werden zur Zielscheibe von Hass und Gewalt, weil ihre bloße Existenz den repressiven Idealen von Nation und „Tradition“ widerspricht.
Doch wir dürfen nicht vergessen, dass der Hass auf queere Menschen nicht nur von den offen faschistischen Kräften ausgeht, sondern auch von den sogenannten
»gemäßigten« Teilen der Gesellschaft.
Diese Kräfte mögen weniger lautstark sein, aber ihr Schweigen und ihre Komplizenschaft sind ebenso gefährlich.
Es sind dieselben Kräfte, die Gesetze erlassen, die queere Existenzen unsichtbar machen sollen, medizinische Versorgung verwehren und queere Lebensweisen als „unnatürlich“ brandmarken.
Der Faschismus braucht Feindbilder. Er gedeiht, indem er Hass schürt und Angst sät. Heute sind queere Menschen eines dieser Feindbilder. Aber dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen einzelne Menschen oder Gruppen – er ist ein Angriff auf die Vielfalt, auf die Freiheit, auf das Recht, anders zu sein. Es ist ein Angriff auf alles, was nicht in die engen, zerstörerischen Definitionen der faschistischen Ideologie passt. Faschismus ist nicht der einzige Feind der Vielfalt, dem wir uns in diesen Tagen stellen müssen.
Auch der wachsende Islamismus, der sich ebenso auf reaktionäre Ideologien stützt, stellt eine Bedrohung für die Freiheit und die queere Gemeinschaft dar. Beide, Faschismus und Islamismus, versuchen, eine strikte Ordnung zu erzwingen, die auf patriarchalen und heteronormativen Werten basiert. Sie beide setzen auf die Dämonisierung und Unterdrückung von allem, was nicht in ihre autoritären Vorstellungen passt – und hier überschneiden sich ihre Ideologien.
Sie sind sich ähnlicher, als sie selbst es zugeben würden, denn beide Ideologien nutzen Angst und Hass als Werkzeuge, um ihre Macht zu festigen und ihre Herrschaft zu legitimieren. Es ist wichtig, dass wir hier eine klare Unterscheidung treffen.
Während wir gegen den Islamismus kämpfen, dürfen wir nicht in die Falle tappen, rassistische Narrative zu befeuern, die allzu oft in der sogenannten Mitte der Gesellschaft verbreitet sind.
Unsere Kritik muss immer präzise und gerecht sein.
Sie muss sich gegen die Ideologien richten, nicht gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens. Wir dürfen nicht zulassen, dass der berechtigte Kampf gegen eine Form der Unterdrückung missbraucht wird, um eine andere Form der Unterdrückung zu legitimieren.
Lasst uns nicht vergessen: Der Kampf gegen den Faschismus ist immer auch ein Kampf gegen alle Formen von Extremismus, die Vielfalt und Freiheit bedrohen.
Unsere Solidarität darf kein
Lippenbekenntnis sein. Wir müssen uns klar gegen jede Form von Unterdrückung stellen, egal ob sie von Nazis, von islamistischen Kräften, von der Regierung oder von der Gesellschaft als Ganzes ausgeht.
Wir dürfen uns nicht spalten lassen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Mächtigen uns gegeneinander ausspielen. Der Angriff auf queere Menschen ist ein Angriff auf uns alle.
ES IST UNSERE PFLICHT, UNS DIESEM HASS ENTGEGENZUSTELLEN –
MIT ALLER
ENTSCHLOSSENHEIT, MIT ALL UNSERER KRAFT!

