Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November, haben wir uns versammelt, um einem bedeutenden Tag zu gedenken, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Dieser Tag erinnert uns an die unzähligen Frauen weltweit, die Opfer von physischer, psychischer und sexueller Gewalt werden, nicht selten mit tödlichen Folgen.

Gewalt an Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Sie kennt keine Grenzen, weder in Bezug auf Kultur, Bildung, Religion noch auf das soziale oder ökonomische Umfeld. In vielen Ländern, aber auch in unserer eigenen Gesellschaft, wird sie oft totgeschwiegen, tabuisiert und verharmlost. Doch wir dürfen nicht schweigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Gewalt weiterhin als ein “privates Problem” angesehen wird.

Denn diese Gewalt endet oft mit dem Tod. Der Mord an einer Frau mit dem Grund, dass sie eine Frau ist, ist inakzeptabel, schrecklich und für jede empathische Person unvorstellbar.
Das ist leider Realität, auch in Deutschland.

2023 wurde fast jeden Tag eine Frau oder Mädchen Opfer eines Femizids.

Dieses Jahr zählen wir bis heute 90 Femizide. 2024 bringt jeden 3. Tag ein Mann eine oder seine (Ex)-Frau um.

Um die Anzahl zu verdeutlichen, haben wir Gläser mit Kerzen vor dem Rathaus aufgestellt. Jedes Leuchten ist ein Leben, das genommen wurde.
Jeweils eine Person, die ein Leben, einen Alltag und eine Familie hatte.

Stolpersteine – Amalie Bernstein

Amalie Bernstein
Geb. Marburger

Übersicht:
Geboren: 14. November 1866 in Bigge/Westfalen, Deportiert: 1943
Gestorben vermutlich am 15. Mai 1944 in Theresienstadt (77 Jahre)

Man weiß bis heute nur wenig von Amalie
Bernstein.
Sie hatte mit ihrem Mann Adolf Bernstein eher zurückgezogen in der Rathausstraße 18 (damals Lüneburger Straße 14 (Straße der SA)) gelebt.
Das Ehepaar galt als vornehm reserviert und politisch konservativ.
Ihr Ehemann Adolf war in Winsen geboren worden und betrieb eine Schlachterei und war
Viehhändler.
Adolf Bernstein war gut integriert.
Er war leidenschaftlicher Sänger und sang in der Liedertafel und der Kantorei.
1933 wurde er dann Aufgrund seines jüdischen
Glaubens allen Vereinen ausgeschlossen.

1937 verstarb der gemeinsame Sohn der beiden
Alfred Bernstein.
Er war während des Ersten Weltkriegs in Russland an Tuberkulose erkrankt und nie wieder ganz genesen.
1938 starb dann auch Adolf Bernstein. Bis 1935 erlaubte es seine Gesundheit, seinen Viehhandel in der Lüneburger Straße zu betreiben.
Diese Schicksalsschläge müssen für Amalie
Bernstein sehr hart gewesen sein.
5 Jahre später wurde sie
im Alter von 77 Jahren von Winsen nach
Theresienstadt deportiert,
wo sie dann vermutlich am 15. Mai 1944 starb.

Amalie Bernstein hätte einen schönen und friedlichen und entspannten Lebensabend verdient, aber stattdessen nahm ihr der Krieg ihren Sohn und ihr eigenes Leben und brachte unendlich viel leid über ihre Familie.
Die letzten Jahre ihres Lebens müssen schrecklich für sie gewesen sein.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen!
In Gedenken an Amalie Bernstein. ✡️

Stolpersteine – Helene Behrens

Helene Behrens

Übersicht:
Geboren: 8. Mai 1888 in Winsen
Deportiert: 03. Dezember 1941
Gestorben vermutlich auf dem Transport nach Riga im Dezember 1941 (53 Jahre)

Helene Behrens war anscheinend eine sehr lebenslustige, spontane und gesellige Frau.
Sie arbeitete als Kassiererin und wohnte mit ihrem Bruder Louis zusammen in ihrem Elternhaus in der Bahnhofstraße (damals Adolf-Hitler-Straße) 46.
Sie und ihr Bruder waren die einzigen alt eingesessenen Juden in Winsen.
Helene blieb im Elternhaus wohnen, Louis wanderte noch vor Beginn des Krieges nach Palästina aus.
Mit in Helene Behrens Haus war auch ein kleiner Laden, den sie vermietete.

Als dann der Krieg begann, wurde sie dienstverpflichtet.
Sie verlor ihren Job als Kassiererin und musste stattdessen Waren bei Düsenberg und Harms einpacken.
Am 2. Dezember 1941 erreichte sie der Deportationsbefehl.
Helene Behrens verstand dessen Bedeutung
sehr gut.
Sie verschenkte ihren gesamten Besitz und ging noch zu einer bekannten Familie um jedem Kind fünf Pfennige zu geben.

Nur einen Tag später, am 03. Dezember 1941
wurde sie mit anderen Juden zum Bahnhof und von dort zur Sammelstelle nach Hamburg gefahren.
Im Logenhaus an der Moorweide in der Nähe des Dammtor Bahnhofs wurde sie zusammen mit hunderten anderen Juden zusammengepfercht, ehe sie in Viehwaggons innerhalb von vier Tagen nach Riga transportiert wurden.
Sie ist vermutlich schon auf dem Transport dort hin mit nur 53 Jahren verstorben.

Sie scheint eine freundliche, beliebte und großzügige Frau gewesen zu sein, die niemandem etwas Böses wollte.
Selbst ihren letzten Tag in Freiheit hat sie noch genutzt, um etwas Gutes zu tun.
Grundloser Hass und Hetze haben ihr die Chance auf ein schönes restliches Leben genommen.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen!
In Gedenken an Helene Behrens. ✡️

Stolpersteine – Sara Horwitz

Sara Horwitz
(geborene Meyer)

Übersicht:
Geboren: 17. Dezember 1868 (in Alpen/Kreis Mörs)
Deportiert: 1943 nach Theresienstadt
Überlebt
Gestorben: 25. März 1965 in Winsen.

Sara Horwitz war mit ihren 1,50m eine kleine Frau.
Ihr Mann war Gustav Horwitz, ein wohlhabender Viehhändler aus Winsen
(geboren 1861, gestorben 1932).
Sara war seine dritte Frau.
Seiner Tochter aus einer früheren Ehe, hatte er Grundstücke an der Bürgerweide vererbt.
Sie verkaufte diese 1935 an die Stadt, die darauf Schulen errichten ließ.
Sara Horwitz lebte, bis sie 1943 deportiert und nach Theresienstadt verschleppt wurde, im Winsen, an der Ecke Von-Somnitz-Ring/Rathausstraße.

Nach zwei Jahren wurde sie tatsächlich aus Theresienstadt befreit und ist somit die einzige, uns bekannte, jüdische Person aus Winsen, die den Krieg überlebt hat.
Als sie 1945 das Konzentrationslager verlassen konnte, war die ein Meter 1,50m große Frau auf grade einmal 33 Kilogramm abgemagert.
Sie war an Knochenerweichung erkrankt und kaum noch lebensfähig.
Nach einjähriger Pflege durch die Jüdische Gemeinde in Hamburg konnte Sara Horwitz wieder, in ihr Haus nach Winsen zurückzukehren.

Hilfen vom Staat gab es für die Überlebenden kaum.
Sara Horwitz musste mit einer monatlichen Unterstützung von 49,50 Mark auskommen. Ab August 1949 bekam sie dann mit Hilfe des
„Sonderhilfsausschuss des Kreises für Verfolgte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“
noch 140 Mark dazu.
Das heißt sie musste bis 1949 mit einer
Unterstützung von 49,50 Mark ihr Leben und ihre medizinische Versorgung bezahlen.

Sara Horwitz beantragte zwar eine Pflegezulage, die auch ein Amtsarzt befürworte, diese wurde aber im August 1949 abgelehnt.
Die Begründung hierfür war, dass eine „körperliche Hilflosigkeit als Folge des durch Lagerhaft erlittenen Personenschadens“ angeblich nicht vorliegen würde.
Heute ist leider nicht mehr nachzuvollziehen, wie sie Arzt- und Behandlungskosten begleichen konnte und ob sie vielleicht Hilfe hatte.

Sara Horwitz starb am 25. März 1956 mit 87 Jahren. Ihre Beerdigung war die letzte auf dem jüdischen Friedhof in Winsen.
Auch wenn sie den Krieg überlebt hat, hat sie sicherlich schreckliches erlebt und gesehen.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen.
In Gedenken an Sara Horwitz. ✡️

Kein Vergeben – Kein Vergessen 09. – 10. November 1938

Am 10. November 2024 waren wir, gemeinsam mit einigen Bürger*innen aus Winsen, Stolpersteine putzen um den Opfern des Nationalsozialismus aus Winsen und ganz Deutschland zu gedenken.

In Gedenken an:
Bernhard und Elsa Stern
Ernst Meincke
Gerd Horwitz
Ursula Horwitz
Werner Horwitz
Emma Horwitz
Sara Horwitz
Helene Behrens
Amalie Bernstein

Unser Redebeitrag vom heutigen Mahngang:

“Liebe Mitmenschen,

Stolpersteine sind mehr als nur kleine Gedenktafeln im Boden – sie sind Mahnmale, die uns an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und uns dazu aufrufen, die Geschichte nicht zu vergessen. Sie stehen an den letzten freiwilligen Wohnorten von Jüdinnen und Juden, Sinti und Sintiza, Romnija und Roma, politisch Verfolgten und anderen Opfern des NS-Regimes. Diese unscheinbaren Steine mahnen uns, dass Unrecht nicht vergessen werden darf und dass wir als Gesellschaft eine Verantwortung tragen, gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form der Diskriminierung einzutreten.

Jeder Stolperstein erzählt eine Geschichte, die uns herausfordert, die Vergangenheit zu reflektieren und daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Sie sind nicht nur ein Zeichen des Gedenkens, sondern auch ein Aufruf zur aktiven Erinnerung und zur Bewahrung von Menschlichkeit in einer Welt, die immer wieder Gefahr läuft, diese Werte zu verlieren.

Lasst uns die Stolpersteine nicht nur als Teil der Geschichte begreifen, sondern als Teil unseres täglichen Kampfes für eine gerechte und freie Gesellschaft. Denn Gedenken ist nicht nur eine Pflicht, sondern eine Verantwortung, die uns heute mehr denn je fordert.”