Unsere Rede vom CSD

Liebe Genossinnen und Genossen, wir stehen heute hier zusammen, weil uns die bittere Realität bekannt ist: Der Faschismus erhebt wieder sein hässliches Haupt, und die Menschen, die am meisten darunter leiden, sind die, die ohnehin am Rand unserer Gesellschaft stehen – die queeren Menschen, unsere LGBTQIA*-
Geschwister. Während die Herrschenden ihre Macht zementieren und den Boden für eine autoritäre Zukunft bereiten, sind es die marginalisierten Gemeinschaften, die als erste ins Visier geraten.

Queere Menschen wurden schon immer als
Bedrohung für die patriarchalischen, heteronormativen Strukturen dieser Gesellschaft gesehen. In Zeiten des Faschismus wird diese Bedrohung ins Absurde gesteigert. Die Existenz queerer Menschen wird pathologisiert, kriminalisiert und dämonisiert. Sie werden zur Zielscheibe von Hass und Gewalt, weil ihre bloße Existenz den repressiven Idealen von Nation und „Tradition“ widerspricht.

Doch wir dürfen nicht vergessen, dass der Hass auf queere Menschen nicht nur von den offen faschistischen Kräften ausgeht, sondern auch von den sogenannten
»gemäßigten« Teilen der Gesellschaft.
Diese Kräfte mögen weniger lautstark sein, aber ihr Schweigen und ihre Komplizenschaft sind ebenso gefährlich.
Es sind dieselben Kräfte, die Gesetze erlassen, die queere Existenzen unsichtbar machen sollen, medizinische Versorgung verwehren und queere Lebensweisen als „unnatürlich“ brandmarken.

Der Faschismus braucht Feindbilder. Er gedeiht, indem er Hass schürt und Angst sät. Heute sind queere Menschen eines dieser Feindbilder. Aber dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen einzelne Menschen oder Gruppen – er ist ein Angriff auf die Vielfalt, auf die Freiheit, auf das Recht, anders zu sein. Es ist ein Angriff auf alles, was nicht in die engen, zerstörerischen Definitionen der faschistischen Ideologie passt. Faschismus ist nicht der einzige Feind der Vielfalt, dem wir uns in diesen Tagen stellen müssen.

Auch der wachsende Islamismus, der sich ebenso auf reaktionäre Ideologien stützt, stellt eine Bedrohung für die Freiheit und die queere Gemeinschaft dar. Beide, Faschismus und Islamismus, versuchen, eine strikte Ordnung zu erzwingen, die auf patriarchalen und heteronormativen Werten basiert. Sie beide setzen auf die Dämonisierung und Unterdrückung von allem, was nicht in ihre autoritären Vorstellungen passt – und hier überschneiden sich ihre Ideologien.

Sie sind sich ähnlicher, als sie selbst es zugeben würden, denn beide Ideologien nutzen Angst und Hass als Werkzeuge, um ihre Macht zu festigen und ihre Herrschaft zu legitimieren. Es ist wichtig, dass wir hier eine klare Unterscheidung treffen.
Während wir gegen den Islamismus kämpfen, dürfen wir nicht in die Falle tappen, rassistische Narrative zu befeuern, die allzu oft in der sogenannten Mitte der Gesellschaft verbreitet sind.
Unsere Kritik muss immer präzise und gerecht sein.

Sie muss sich gegen die Ideologien richten, nicht gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens. Wir dürfen nicht zulassen, dass der berechtigte Kampf gegen eine Form der Unterdrückung missbraucht wird, um eine andere Form der Unterdrückung zu legitimieren.
Lasst uns nicht vergessen: Der Kampf gegen den Faschismus ist immer auch ein Kampf gegen alle Formen von Extremismus, die Vielfalt und Freiheit bedrohen.

Unsere Solidarität darf kein
Lippenbekenntnis sein. Wir müssen uns klar gegen jede Form von Unterdrückung stellen, egal ob sie von Nazis, von islamistischen Kräften, von der Regierung oder von der Gesellschaft als Ganzes ausgeht.
Wir dürfen uns nicht spalten lassen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Mächtigen uns gegeneinander ausspielen. Der Angriff auf queere Menschen ist ein Angriff auf uns alle.

ES IST UNSERE PFLICHT, UNS DIESEM HASS ENTGEGENZUSTELLEN –
MIT ALLER
ENTSCHLOSSENHEIT, MIT ALL UNSERER KRAFT!

„Hitler war ein Kommunist“

Alice Weidels Aussage im Gespräch mit Elon Musk, Hitler als Kommunisten zu bezeichnen, ist eine problematische Verzerrung der Geschichte. Es ist eine Beleidigung für den Kommunismus, indem sie eine Ideologie, die auf sozialer Gerechtigkeit und Arbeiterrechten basiert, mit einem autoritären Regime gleichsetzt, das Massenmord und Rassismus propagierte. Gleichzeitig verharmlost diese Behauptung den Nationalsozialismus.Dies tut sie, indem sie die klare und abscheuliche Grundlage seiner Ideologie, die auf Faschismus, Nationalismus und Rassentheorie beruhte, verwischt. Solche Aussagen tragen zur Verfälschung der historischen Realität bei und behindern das Verständnis für die tatsächlichen Gräueltaten des NS-Regimes. Außerdem zeigt es nur einmal mehr, wie die AfD versucht alles Rechte auf links zu drehen.Frei nach dem Motto „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: < Ich bin der Faschismus> Nein, er wird sagen: „.
Die Barriere des Sagbaren wird dadurch immer weiter aufgebrochen. Es macht uns wahnsinnig fassungslos, dass mehr als 20% der Meinung sind, dass Weidel eine gute Kanzlerin sei. Deswegen noch einmal unser Appel an alle: Kommt am 11.01. nach RIESA den Parteitag stören, am 16.01. nach Hamburg, um Alice Weidel keine Platform zu bieten und am 22.02. nach Winsen Luhe.

Terroranschlag in Magdeburg – Rechte werden laut, während das Gedenken verstummt

Am Abend des 20.12.2024 wurden unschuldige Menschen Opfer eines feigen Terroranschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Der Täter aus Saudi-Arabien fuhr mit seinem Fahrzeug absichtlich in eine Menschenmenge, verletzte viele und tötete mehrere.
In diesen dunklen Stunden stehen wir als antifaschistische Gruppe zusammen und gedenken der Opfer – derjenigen, die ihr Leben verloren haben, und derer, die mit schwerer körperlicher und seelischer Last zurückbleiben.

Die Herkunft des Täters ist für uns nebensächlich. Es ist nicht die Herkunft, die Menschen zu Täter*innen macht, sondern der radikale Fanatismus, der in seiner extremen Auslegung zu Gewalt und Hass führt. Wir lehnen jede Art von Gewalt ab, die im Namen einer Ideologie oder Religion begangen wird, und verurteilen den Terroranschlag als das, was er ist: ein barbarischer Akt, der Menschen aufgrund ihrer Freiheit und Existenz angreift und die Gesellschaft spaltet.

In diesem Moment des Gedenkens richten wir unseren Blick auf die Opfer, die ihr Leben im Angesicht von Hass und Gewalt verloren haben. Unsere Solidarität gilt den Hinterbliebenen, den Verletzten und allen, die durch diesen Terroranschlag in ihrem Leben erschüttert wurden. Wir setzen uns dafür ein, dass solche Taten niemals in Vergessenheit geraten und dass wir als Gesellschaft weiterhin für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität einstehen.

Es ist inakzeptabel, dass es sich am Tag nach diesem Anschlag rund 1.500 Neonazis aus ganz Deutschland nicht nehmen ließen, nach Magdeburg zu reisen.
Was ursprünglich als bürgerlicher Trauerprotest geplant war, mündete in einem Aufmarsch von hunderten rechten Aktivist*innen, die sich voll laufen ließen und rechte Parolen skandierten. Diese Instrumentalisierung des Gedenkens für menschenfeindliche Ideologien darf in unserer Gesellschaft keinen Raum finden.
Verwundert sind wir darüber aber nicht.

Um noch einmal klarzustellen:
Die AfD hätte die Tat nicht verhindern können. Der Täter ist ein Arzt und lebt seit 2006 mit unbefristetem Aufenthaltsstatus in Deutschland. Wenn man der AfD zumindest so viel Glauben schenkt, dass sie nur Menschen ohne Aufenthaltsstatus oder kriminelle Migrant*innen ausweisen möchte, wäre er dennoch hier gewesen. Es gibt sogar Berichte darüber das der Täter mit der AfD zusammen arbeiten wollte.
Sein jetzt gesperrter Account auf X lässt dies zumindest schließen.

Die AfD, die sich sonst damit brüstet die meisten Mitglieder mit Migrationshintergrund zu haben springt natürlich direkt auf den Zug auf. Latent rassistisch schreiben ihre Anhänger*innen Dinge wie: „So soll also der normale AfD Wähler aussehen. Früher Glatze, Heute Turban.“. Das soll Ablenkung und weitere Spaltung schaffen. Auch dies ist Inakzeptabel.

Unser Gedenken gilt den Opfern – unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Weltanschauung. Es geht nicht um den Täter, sondern um die Menschen, die uns genommen wurden. Wir werden nicht zulassen, dass Terror unsere Gesellschaft spaltet. Wir werden in unserer Vielfalt und unserem Engagement für Frieden sowie auch gegen jede Form von religiösem Extremismus weiter zusammenstehen.

Es gibt im Gedenken keinen Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nur durch Miteinander, respektvollen Dialog und das gemeinsame Streben nach einer besseren Zukunft können wir verhindern, dass Hass und Gewalt weiterhin unsere Gemeinschaften zerstören.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November, haben wir uns versammelt, um einem bedeutenden Tag zu gedenken, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Dieser Tag erinnert uns an die unzähligen Frauen weltweit, die Opfer von physischer, psychischer und sexueller Gewalt werden, nicht selten mit tödlichen Folgen.

Gewalt an Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Sie kennt keine Grenzen, weder in Bezug auf Kultur, Bildung, Religion noch auf das soziale oder ökonomische Umfeld. In vielen Ländern, aber auch in unserer eigenen Gesellschaft, wird sie oft totgeschwiegen, tabuisiert und verharmlost. Doch wir dürfen nicht schweigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Gewalt weiterhin als ein “privates Problem” angesehen wird.

Denn diese Gewalt endet oft mit dem Tod. Der Mord an einer Frau mit dem Grund, dass sie eine Frau ist, ist inakzeptabel, schrecklich und für jede empathische Person unvorstellbar.
Das ist leider Realität, auch in Deutschland.

2023 wurde fast jeden Tag eine Frau oder Mädchen Opfer eines Femizids.

Dieses Jahr zählen wir bis heute 90 Femizide. 2024 bringt jeden 3. Tag ein Mann eine oder seine (Ex)-Frau um.

Um die Anzahl zu verdeutlichen, haben wir Gläser mit Kerzen vor dem Rathaus aufgestellt. Jedes Leuchten ist ein Leben, das genommen wurde.
Jeweils eine Person, die ein Leben, einen Alltag und eine Familie hatte.

Stolpersteine – Amalie Bernstein

Amalie Bernstein
Geb. Marburger

Übersicht:
Geboren: 14. November 1866 in Bigge/Westfalen, Deportiert: 1943
Gestorben vermutlich am 15. Mai 1944 in Theresienstadt (77 Jahre)

Man weiß bis heute nur wenig von Amalie
Bernstein.
Sie hatte mit ihrem Mann Adolf Bernstein eher zurückgezogen in der Rathausstraße 18 (damals Lüneburger Straße 14 (Straße der SA)) gelebt.
Das Ehepaar galt als vornehm reserviert und politisch konservativ.
Ihr Ehemann Adolf war in Winsen geboren worden und betrieb eine Schlachterei und war
Viehhändler.
Adolf Bernstein war gut integriert.
Er war leidenschaftlicher Sänger und sang in der Liedertafel und der Kantorei.
1933 wurde er dann Aufgrund seines jüdischen
Glaubens allen Vereinen ausgeschlossen.

1937 verstarb der gemeinsame Sohn der beiden
Alfred Bernstein.
Er war während des Ersten Weltkriegs in Russland an Tuberkulose erkrankt und nie wieder ganz genesen.
1938 starb dann auch Adolf Bernstein. Bis 1935 erlaubte es seine Gesundheit, seinen Viehhandel in der Lüneburger Straße zu betreiben.
Diese Schicksalsschläge müssen für Amalie
Bernstein sehr hart gewesen sein.
5 Jahre später wurde sie
im Alter von 77 Jahren von Winsen nach
Theresienstadt deportiert,
wo sie dann vermutlich am 15. Mai 1944 starb.

Amalie Bernstein hätte einen schönen und friedlichen und entspannten Lebensabend verdient, aber stattdessen nahm ihr der Krieg ihren Sohn und ihr eigenes Leben und brachte unendlich viel leid über ihre Familie.
Die letzten Jahre ihres Lebens müssen schrecklich für sie gewesen sein.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen!
In Gedenken an Amalie Bernstein. ✡️

Stolpersteine – Helene Behrens

Helene Behrens

Übersicht:
Geboren: 8. Mai 1888 in Winsen
Deportiert: 03. Dezember 1941
Gestorben vermutlich auf dem Transport nach Riga im Dezember 1941 (53 Jahre)

Helene Behrens war anscheinend eine sehr lebenslustige, spontane und gesellige Frau.
Sie arbeitete als Kassiererin und wohnte mit ihrem Bruder Louis zusammen in ihrem Elternhaus in der Bahnhofstraße (damals Adolf-Hitler-Straße) 46.
Sie und ihr Bruder waren die einzigen alt eingesessenen Juden in Winsen.
Helene blieb im Elternhaus wohnen, Louis wanderte noch vor Beginn des Krieges nach Palästina aus.
Mit in Helene Behrens Haus war auch ein kleiner Laden, den sie vermietete.

Als dann der Krieg begann, wurde sie dienstverpflichtet.
Sie verlor ihren Job als Kassiererin und musste stattdessen Waren bei Düsenberg und Harms einpacken.
Am 2. Dezember 1941 erreichte sie der Deportationsbefehl.
Helene Behrens verstand dessen Bedeutung
sehr gut.
Sie verschenkte ihren gesamten Besitz und ging noch zu einer bekannten Familie um jedem Kind fünf Pfennige zu geben.

Nur einen Tag später, am 03. Dezember 1941
wurde sie mit anderen Juden zum Bahnhof und von dort zur Sammelstelle nach Hamburg gefahren.
Im Logenhaus an der Moorweide in der Nähe des Dammtor Bahnhofs wurde sie zusammen mit hunderten anderen Juden zusammengepfercht, ehe sie in Viehwaggons innerhalb von vier Tagen nach Riga transportiert wurden.
Sie ist vermutlich schon auf dem Transport dort hin mit nur 53 Jahren verstorben.

Sie scheint eine freundliche, beliebte und großzügige Frau gewesen zu sein, die niemandem etwas Böses wollte.
Selbst ihren letzten Tag in Freiheit hat sie noch genutzt, um etwas Gutes zu tun.
Grundloser Hass und Hetze haben ihr die Chance auf ein schönes restliches Leben genommen.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen!
In Gedenken an Helene Behrens. ✡️

Stolpersteine – Sara Horwitz

Sara Horwitz
(geborene Meyer)

Übersicht:
Geboren: 17. Dezember 1868 (in Alpen/Kreis Mörs)
Deportiert: 1943 nach Theresienstadt
Überlebt
Gestorben: 25. März 1965 in Winsen.

Sara Horwitz war mit ihren 1,50m eine kleine Frau.
Ihr Mann war Gustav Horwitz, ein wohlhabender Viehhändler aus Winsen
(geboren 1861, gestorben 1932).
Sara war seine dritte Frau.
Seiner Tochter aus einer früheren Ehe, hatte er Grundstücke an der Bürgerweide vererbt.
Sie verkaufte diese 1935 an die Stadt, die darauf Schulen errichten ließ.
Sara Horwitz lebte, bis sie 1943 deportiert und nach Theresienstadt verschleppt wurde, im Winsen, an der Ecke Von-Somnitz-Ring/Rathausstraße.

Nach zwei Jahren wurde sie tatsächlich aus Theresienstadt befreit und ist somit die einzige, uns bekannte, jüdische Person aus Winsen, die den Krieg überlebt hat.
Als sie 1945 das Konzentrationslager verlassen konnte, war die ein Meter 1,50m große Frau auf grade einmal 33 Kilogramm abgemagert.
Sie war an Knochenerweichung erkrankt und kaum noch lebensfähig.
Nach einjähriger Pflege durch die Jüdische Gemeinde in Hamburg konnte Sara Horwitz wieder, in ihr Haus nach Winsen zurückzukehren.

Hilfen vom Staat gab es für die Überlebenden kaum.
Sara Horwitz musste mit einer monatlichen Unterstützung von 49,50 Mark auskommen. Ab August 1949 bekam sie dann mit Hilfe des
„Sonderhilfsausschuss des Kreises für Verfolgte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“
noch 140 Mark dazu.
Das heißt sie musste bis 1949 mit einer
Unterstützung von 49,50 Mark ihr Leben und ihre medizinische Versorgung bezahlen.

Sara Horwitz beantragte zwar eine Pflegezulage, die auch ein Amtsarzt befürworte, diese wurde aber im August 1949 abgelehnt.
Die Begründung hierfür war, dass eine „körperliche Hilflosigkeit als Folge des durch Lagerhaft erlittenen Personenschadens“ angeblich nicht vorliegen würde.
Heute ist leider nicht mehr nachzuvollziehen, wie sie Arzt- und Behandlungskosten begleichen konnte und ob sie vielleicht Hilfe hatte.

Sara Horwitz starb am 25. März 1956 mit 87 Jahren. Ihre Beerdigung war die letzte auf dem jüdischen Friedhof in Winsen.
Auch wenn sie den Krieg überlebt hat, hat sie sicherlich schreckliches erlebt und gesehen.
Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass es nie wieder so weit kommen wird!

Kein Vergeben – Kein Vergessen.
In Gedenken an Sara Horwitz. ✡️

Kein Vergeben – Kein Vergessen 09. – 10. November 1938

Am 10. November 2024 waren wir, gemeinsam mit einigen Bürger*innen aus Winsen, Stolpersteine putzen um den Opfern des Nationalsozialismus aus Winsen und ganz Deutschland zu gedenken.

In Gedenken an:
Bernhard und Elsa Stern
Ernst Meincke
Gerd Horwitz
Ursula Horwitz
Werner Horwitz
Emma Horwitz
Sara Horwitz
Helene Behrens
Amalie Bernstein

Unser Redebeitrag vom heutigen Mahngang:

“Liebe Mitmenschen,

Stolpersteine sind mehr als nur kleine Gedenktafeln im Boden – sie sind Mahnmale, die uns an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und uns dazu aufrufen, die Geschichte nicht zu vergessen. Sie stehen an den letzten freiwilligen Wohnorten von Jüdinnen und Juden, Sinti und Sintiza, Romnija und Roma, politisch Verfolgten und anderen Opfern des NS-Regimes. Diese unscheinbaren Steine mahnen uns, dass Unrecht nicht vergessen werden darf und dass wir als Gesellschaft eine Verantwortung tragen, gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form der Diskriminierung einzutreten.

Jeder Stolperstein erzählt eine Geschichte, die uns herausfordert, die Vergangenheit zu reflektieren und daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Sie sind nicht nur ein Zeichen des Gedenkens, sondern auch ein Aufruf zur aktiven Erinnerung und zur Bewahrung von Menschlichkeit in einer Welt, die immer wieder Gefahr läuft, diese Werte zu verlieren.

Lasst uns die Stolpersteine nicht nur als Teil der Geschichte begreifen, sondern als Teil unseres täglichen Kampfes für eine gerechte und freie Gesellschaft. Denn Gedenken ist nicht nur eine Pflicht, sondern eine Verantwortung, die uns heute mehr denn je fordert.”

COVID ist noch nicht vorbei

Seit fast einem Jahr leben wir nun so, als ob Covid vorbei zu sein scheint. Wir gehen auf Konzerte, Festivals, Demos und ganz normal arbeiten. Die meisten ohne Maske, die meisten, ohne sich noch weiter zu impfen. Viele hört man sagen „Covid gibt es offiziell gar nicht mehr.“ Während sich andere noch immer anstecken und mal kürzer, mal länger ausfallen. Long Covid haben wir alle schon einmal gehört. Eine Folgeerkrankung der eigentlichen Erkrankung. Aber auch diese zieht Schatten und dieser heißt ME/CFS. ME/CFS ist eine chronische Erschöpfungskrankheit, mit der dein Leben einfach zerstört wird.

Vor Corona hatten wir fast 250.000 Betroffene. Seit Corona ist diese Zahl auf 800.000 angestiegen. Zwei Drittel der Erkrankten sind Frauen. Die Symptome der Krankheit sind unerträgliche Bewegungsintoleranz. Keine Berührung, kein Licht, keine Geräusche. Alles kann belasten. Dadurch verbringen Betroffene oft ihr Leben im Zimmer und Bett. Sie erleiden dadurch eine hochgradige Behinderung.

Soziale Kontakte oder sogar duschen führen dazu, dass man sich davon tagelang erholen muss. Zärtlichkeit, eine Umarmung, Musik hören o.ä. kann unerträglich sein. Erforscht ist die Krankheit so gut wie gar nicht. Es wird zur nächsten stillen Pandemie. Für die aktuell 800.000 Betroffenen gibt es 100 Mio.€ für Forschung und Unterstützung. Wir können uns selbst ausrechnen, dass das nicht ausreicht, dafür dass es tägliche Pflege, neue Betten, Rollstühle etc. bedarf. Karl Lauterbach was soll das?

Menschen, die sich nichts mehr leisten können, sind eben uninteressant für den Staat. Warum also helfen? Wer keine Steuern mehr zahlen kann, dem Staat auf der Tasche liegt und zum Pflegefall wird, ist es scheinbar nicht wert, das sich von staatlicher Seite um sie gekümmert wird, genau wie kaum darüber berichtet wird. Es gibt ganze 8 Sendungen darüber, die mal das Schicksal beleuchten. Geredet wird kaum darüber. Wo sind Maybrit Illner und Markus Lanz, die zu jedem Scheiß ihr Maul aufmachen?

Unter dem #Liegenddemo und der dazugehörigen Instagram Seite kann man sich mehr über die Krankheit und Schicksalsschläge einzelner Personen informieren. Treffen kann es uns alle. Egal ob 3-jährige, 27-jährige oder 87-jährige. Dein Leben so wie du es gelebt hast oder leben wolltest ist mit dieser Krankheit vorbei.

Wir als Gesellschaft, aber auch als radikale Linke müssen uns hier solidarisieren und das Thema öfter und lauter beleuchten, denn Krankheit bedeutet Klassenkampf.

Der Gesundheitskampf ist ein Klassenkampf.

Egal ob ME/CFS, Krebs oder andere Erkrankungen, es gibt nicht genug Geld und Pflegekräfte, die sich um die Menschen kümmern können. Schuld ist die Privatisierung und die Gewinnsteigerung von Krankenhäusern. Krankheit wird zur Ware gemacht. Es sollen so viele Patienten mit so wenig Personal wie möglich abgearbeitet werden was dazu führt, dass die Pflegekräfte unter enormen Druck stehen und teilweise zusammenbrechen.

Menschen sterben, obwohl es nicht notwendig wäre. Aber häufig fehlt einfach die Zeit für die notwendigen Untersuchungen. Wenn du als betroffene Person und Angehörige*r keine Ahnung hast welche Untersuchungen angefordert werden müssen, bekommt man sogar weniger und die Pflegenden wissen das. Unsere uneingeschränkte Solidarität gilt allen Pflegekräften. Ihr seid nicht schuld daran, das System ist es. Ein System, das die Gewinnmaximierung der Gesundheit vorzieht, gehört verboten.

Krankenhäuser gehören nicht in private Hand, sondern in die der Gesellschaft.

Wer sich ein Krankenhaus kauft, um damit Geld zu verdienen begeht ein Verbrechen an der Menschlichkeit.

Er wird zum Klassenfeind. Die Gesundheit von uns allen sollte immer an erster Stelle stehen. Doch es ist eben rentabel beispielweise 5 Amputationen durchzuführen, obwohl alle wissen es wäre nur eine notwendig. Und für Forschung an Krankheiten wird sowieso nur viel zu wenig investiert. Es lohnt sich finanziell eben kaum.

Wir müssen öfter über die prekären Lagen an Krankenhäusern sprechen. Wir müssen uns mit den Pflegenden solidarisieren. Ein Klatschen auf dem Balkon reicht eben nicht, wenn man zusammenbricht. Pflege und Gesundheit muss wieder in der Realpolitik zum Thema gemacht werden und das erreichen wir nur wenn wir Druck auf dieses Thema auswirken. Wir wollen, dass sich um uns gekümmert wird, wenn wir krank sind, und wir wollen das die Pflegenden entlastet werden.

Dafür stehen wir als radikale Linke.

Antifa auf dem CSD

Antifaschismus gehört zum CSD wie die Saiten zur Gitarre. 

Ohne funktioniert nichts. 

Der Christopher Street Day hat seine Geschichte bei Aufständen in eben der Christopher Street. Queere Menschen haben sich dort der Unterdrückung militant entgegengestellt. 

Diese Straßenkämpfe waren nötig. Ohne diese wären wir heute nicht so weit wie wir sind, auch wenn noch genug zutun ist. Das war politisch, das war antifaschistsich. Wer sich gegen antifaschistische Kämpfe im Zusammenhang mit dem CSD stellt, leugnet die Geschichte. Wer sich gegen Antifaschismus beim CSD stellt, vergisst, dass bewaffnete Antifaschist*innen die queeren Bars in den USA vor Anschlägen schützen. Wer sich gegen Antifaschismus beim CSD stellt, vergisst, wer sich im Alltag gegen Queerfeindlichkeit einsetzt. Sogenannte „Antifas“ gehören zur wichtigsten Unterstützungsgruppe! „Antifa“ ist eine Abkürzung für Antifaschismus. „Antifas“ ist umgangssprachlich für antifaschistische Menschen. Solche Aussagen kommen in der Regel nur von Konservativ-Rechten. Antifa ist KEINE Organisation, kein Verein, keine GmbH oder sonst irgendwas. Es gibt antifaschistische Organisationen wie Winsen Luhe Aganist Nazis.  Es gibt auch antifaschistische Vereine wie WVN-BDA, aber es gibt nicht „Die Antifa“

„Es ist schon erstaunlich, dass sowohl LSVD als auch die Verantwortlichen des CSD Stuttgart sich ernsthaft aufgrund unserer antifaschistischen Symbolik entsetzt zeigen, während sich bundes- und weltweit ein rechter Rollback vollzieht; bzw. während in Deutschland eine rechtsextreme Partei in Umfragen bei über 20% steht, im Nachbarland Polen LGBT-freie Zonen errichtet werden oder in Italien eine faschistische Partei regiert In Anbetracht der Tatsache, dass wir als queere Community weltweit zunehmend von Rechts bedroht und angegriffen werden, empfinden wir die Position von LSVD und dem Stuttgarter CSD als äußerst besorgniserregend und gefährlich.“

– CSD-Freiburg

Diesem Statement schließenden wir uns an. Wir laden hiermit alle antifaschistischen Menschen ein, gemeinsam mit uns Flagge zu zeigen, egal ob Antifa- oder Prideflag! Außerdem wollen wir alle dazu animieren, die CSDs, welche Antifa nicht auf ihren Paraden haben wollen, NICHT zu boykottieren! Geht hin und zeigt Flagge! Eine weitere Zersplitterung bedeutet Nährboden für faschistische Strukturen. Alle CSDs, welche die Geschichte des CSDs vergessen haben, fordern wir hingegen auf, sich umzubenennen. Man darf heute die Geschichte eines solch wichtigen Tages nicht leugnen oder sich gegen Antifas stellen!

Ein CSD kann niemals unpolitisch sein!

In diesem Sinne:

STONEWALL WAS A RIOT!

HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITAT!

DER KAMPF UM BEFREIUNG BLEIBT INTERSEKTIONAL!

CSD statt AFD!

LASS ES GLITZERN LASS ES KNALLENI